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Kirchensanierung 


 

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Gedanken der Denkmalpflege zur Renovation der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt

 

Seit dem frühen Mittelalter wird die Landschaft der Schweiz massgeblich durch Sakralbauten mitgeprägt. Gleichsam wie Wahrzeichen ragen Kirchen mit ihren Türmen auf alten Ortsansichten in die Höhe. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich unsere Ortsbilder – die Kirchen sind geblieben. Über Jahrzehnte und Jahrhunderte stehen sie als Zeugen für die Geschichte und für die architektonische Beständigkeit eines Ortes. Nicht anders präsentiert sich diese Situation in Fischbach-Göslikon, wo seit dem ausgehenden 11. Jahrhundert ein Kirchenbau nachweisbar ist. Als vollständiger Neubau von 1672 ersetzt die heutige Kirche das mittelalterliche Gotteshaus. Zusammen mit dem spätgotisch geprägten Pfarrhaus aus der Zeit um 1600 und der um 1709 erbauten Kapelle St. Rochus bildet die Pfarrkirche eine malerische Gebäudegruppe, die leicht erhöht über der Reussebene liegt.

 

In ihrem Äusseren präsentiert sich die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt als einfache Landkirche, wie sie in der näheren Umgebung des Öfteren anzutreffen ist. Die Besonderheit des Baus zeigt sich erst in seinem Inneren. Im Gegensatz zum nüchternen Aussenbild eröffnet sich hier dem Besucher ein beschwingter Saalraum, dessen fast zauberhaft anmutendes Rokoko-Intérieur im Zug der Um-bauphase von 1757/1760 geschaffen wurde und das eine hohe künstlerische Qualität aufweist. Der ursprünglich nüchterne Kastenraum wird in ein schimmerndes Gewand von farbigem Gipsstuck, Stuckmarmor und Fresken-ausmalung gekleidet. Die Stuckaturen und Malereien stammen vom Sigmaringer Freskanten Franz Anton Rebsamen, dessen Werke sich auch in der Klosterkirche Fahr und in der Schlosskapelle Hilfikon finden. Stuck und Malerei treten hier in einen sanften Dialog, wobei das feingeschwungene, ockergelbe Rahmenwerk und die meergrünen, pflanzenhaften Rocaillen und Girlanden die Deckenspiegel und Malfelder umgeben.

 

Mit ihrem Schmuckreichtum gilt die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt als einer der schönsten Rokoko-Bauten im Aargau. Aus diesem Grund steht sie seit 1951 nicht nur unter kantonalem Denkmalschutz, sondern wurde als seiner der frühesten Bauten im Kanton Aargau überhaupt im Jahr 1935 unter den Schutz der Eidgenossenschaft gestellt. Folgerichtig ist der Bau auch im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung erfasst.

 

 Als historisches Erbe wurde die Pfarrkirche Maria Him-melfahrt von Generation zu Generation geschätzt und genutzt. Um den Bau den jeweiligen Nachfolgern weiter-geben zu können bedarf es der regelmässigen Pflege und dem gewissenhaften Unterhalt. Grössere Mass-nahmen werden im Schnitt alle 25 bis 40 Jahre getätigt. In Fischbach Göslikon fan-den die letzten grossen Massnahmen im Innenbereich in den 1960er Jahren und 1982 statt. Nach nun mehr knapp 40 Jahren zeigen sich im Innen-raum und am Gebäude-äusseren zahlreiche kleinere und grössere Schäden. Die aktuell geplante Gesamtsa-nierung dient dazu, diese Schäden zu beheben und den Bestand der überregional bedeutenden Pfarrkirche nachhaltig zu sichern.

 

Der Erhalt und die Pflege des kulturellen Erbes sind im grossen Interesse des Kantons. Dieser unterstützt mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und gestützt auf die aktuelle Rechtslage die Sanierung in Fischbach-Göslikon finanziell und beratend. Die geplanten Massnahmen stehen aus Sicht der kantonalen Denk-malpflege für die umsichtige und langfristige Planung der Kirchgemeinde Fischbach-Göslikon, die sich ihrem historischen Erbe wohl bewusst ist und die mit der aktuellen Sanierung dafür sorgt, dass die Substanz der schönen Pfarrkirche Maria Himmelfahrt langfristig gesichert wird und dass jene mit gutem Gewissen den nachfolgenden Generationen übergeben werden kann. In diesem Sinne kann die Kantonale Denkmalpflege die Baukommission in ihrem Vorhaben vollum-fänglich unterstützen und der gesamten Kirchgemeinde empfehlen, die geplanten Massnahmen zum Erhalt der Bausubstanz mitzutragen.

 

Dr. Jonas Kallenbach, Kantonale Denkmalpflege Kanton Aargau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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